Ein Projekt für

bunte Landschaften

in der Städteregion Aachen

15.02.2022 16:43

Überlebensraum für Insekten im Winter

Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten haben eine große Bedeutung für die Schädlingsbekämpfung

Insekten wie Käfer, Bienen, Wespen und Schmetterlinge sind im Winter bei kalten Temperaturen und bei einem sehr geringen Nahrungsangebot an Blüten, Pollen und Pflanzen als wechselwarme Tiere wenig aktiv und versuchen die Jahreszeit natürlichen und naturnahen Lebensräumen in Landschaft und in unseren Gärten zu überstehen. Nur sehr wenige Arten wandern, wie zum Beispiel der berühmte Monarchfalter, der im Herbst von Kanada bis nach Mexiko mit einer gefährlichen Passage über den Golf von Mexiko zieht.

Eine gute Überlebensquote möglichst vieler Insektenarten ist in den vom Menschen stark genutzten artenarmen Ökosystemen besonders wichtig, da das Gleichgewicht zwischen „schädlichen“ und „nützlichen“ Insekten sehr empfindlich und fragil ist. Die Begriffe „Nützling“ und „Schädling“ haben ihren Ursprung in Acker- und Gartenbau und beziehen sich auf die von Gärtner*innen und Landwirt*innen kultivierten Pflanzen, im ökologischen Sinne spricht man eher von Räuber-Beute-Beziehungen zwischen Pflanzen und herbivoren Tieren. Insekten, die echten Schaden in Kulturen anrichten können. Diese zeichnen sich meist durch eine massenhafte Vermehrung in sehr kurzer Zeit aus, exponentielles Wachstum ist eine weitverbreitete Strategie und eine wichtige Triebkraft der Evolution. Daher müssen ihre Gegenspieler direkt zu Beginn der Massenentwicklung in den Startlöchern stehen und eine gute Basispopulation von Fressfeinden stellen.

Einige Arten aus der Familie der pflanzensaftsaugenden Blattläuse („Aphididae“, gehören zu den Wanzen) haben diese Eigenschaft und können Zierpflanzen direkt schädigen oder in vielen landwirtschaftlich bedeutsamen Kulturen wie Getreide neben den direkten Verlusten sehr schwer zu bekämpfende Viruskrankheiten wie den Gerstengelbverzwergungsvirus übertragen.

Blattläuse leben allerdings nicht mit allen Mitlebewesen in Eintracht oder Symbiose wie mit Ameisen, sondern haben zahlreiche Fressfeinde wie Marienkäfer und Laufkäfer in Gärten und auf Agrarflächen oder werden von Flor- und Schwebfliegen parasitiert.

Welche Faktoren aber sind nun entscheidend, dass ein großer Teil der Nützlings Populationen über den Winter kommt?

Dazu muss man sich zunächst den Lebenszyklus von Schmetterlingen, Fliegen und Co anschauen: Insekten mit vollständiger Verwandlung wie Schmetterlinge durchlaufen vier Lebensstadien: Ei, Larve, Puppe und Imago (das erwachsene, beflügelte Tier). Insekten mit unvollständiger Entwicklung verpuppen sich nicht, wie zum Beispiel alle Käfer. Nur die wenigsten überwintern als Imago, bei vielen Arten sterben die meisten Individuen und nur die Königin überlebt den Winter. Die meisten Arten suchen schon als Larve eine geschützte Stelle unter Laub, unter Ernteresten oder auch in den Pflanzenstengeln auf liegengelassenen Blühflächen. Über den Winter stehengelassene ein – oder Mehrjährige Stauden dienen einigen Falterarten als Stützen, um sich als Puppe anzuhängen.

Dabei ist aus wissenschaftlichen Studien bekannt, dass es starke Zusammenhänge zwischen der Menge und Vielfalt von Nützlingen und der Art und Weise gibt, wie Landschaft und Umfeld strukturiert und genutzt werden.

Die Biologische Schädlingskontrolle (der Blattläuse) durch große Räuber wie Marienkäfer, Laufkäfern und Wolfsspinnen funktioniert wesentlich besser, wenn es in einer heterogenen Landschaft in der es in unmittelbarer Nähe der landwirtschaftlichen Flächen viele (naturnahe) Areale gibt, die nicht in jedem Jahr umgebrochen und neu genutzt werden. Diese Erkenntnisse können (ähnlich der Epidemiologie) durch Computermodelle simuliert und in der Realität bestätigt werden. Die Refugien für natürliche Gegenspieler der Agrarschädlinge können zum Beispiel Ackerbrachen oder (überjährige) Blühflächen sein, die speziell in der ökologischen Landwirtschaft, die weitgehend ohne Pflanzenschutzmittel auskommen muss, eine entscheidende Rolle spielen. Wie immer gilt in reich-strukturierten Landschaften auch die gegenteilige Aussage: Refugien außerhalb der Ackerflächen in heterogenen Landschaften sind auch für die Wiederbesiedlung und Populationsentwicklung der Blattläuse gut!

Im heimischen Garten gelten die gleichen Regeln: Das Stehenlassen von verblühten Stauden und Liegenlassen von heruntergefallenem Laub hilft vielen Insekten den Winter zu überleben, bietet Vögeln Nahrung und Deckung, und das Bodenleben (mit wichtigen, aber unscheinbaren Insektengruppen) wird gefördert.

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