Ein Projekt für

bunte Landschaften

in der Städteregion Aachen

05.09.2019 07:04

Nachgeschaut: Erfassung der Blütenbesucher

In der Theorie klingt es einleuchtend: Wenn das Blütenangebot steigt, finden sich die blütenbesuchenden Insekten von ganz alleine ein. Diese Beobachtung haben sicher alle gemacht, die bei schönem Wetter an einer unserer Blütenparadies-Flächen vorbeikommt. Es summt und brummt und flattert sehr intensiv, auch kann es nach Anis duften und es sieht wunderbar bunt aus. Wir wollten es aber etwas genauer wissen und haben auf einigen Flächen stichprobenhaft damit begonnen, die Aktivität der Insekten zu erfassen und zu schauen, welche Blütenbesucher-Gruppen besonders häufig anzutreffen sind. Diese Beobachtungen helfen uns, den Effekt unserer Blühmischung „Visselhöveder Hummelblüten“ genauer einzuschätzen und helfen uns beim Grübeln, was wir in der nächsten Saison anders und besser machen können.

Das Blütenparadies umfasst insgesamt 33 einzelne Flächen. Zu viele, um überall intensiv hinzuschauen. Deshalb haben wir sieben Flächen ausgewählt, die über die Region verteilt sind.

In der letzten Juli- und der ersten Augustwoche war es soweit, ein weiteres stabiles Hoch versprach gleichbleibend (sehr heiße) Witterungsverhältnisse und flugfreundliche warme Tage.

Auf jeder dieser Flächen haben wir drei Unterflächen von einem Quadratmeter Größe ausgewählt und jeweils zehn Minuten beobachtet, welche Insekten die Blüten besucht haben. Es wurde also die Flugaktivität auf den Flächen innerhalb einer halben Stunde Beobachtungszeit erfasst (nicht die absolute Anzahl an Insekten, da zum Beispiel sehr aktive Honigbienen auch mehrmals gezählt werden können).

Die meisten der gezählten Insekten gehören zu einer großen Gruppe („Ordnung“), die auch besonders wichtig für die Bestäubungsleistung in der Agrarlandschaft ist: Es sind durchweg Hautflügler wie Honigbienen, Hummeln und Wildbienen. Weitere wichtige und relativ häufige Gruppen sind die Zweiflügler wie Mücken und Fliegen (ganz besonders die Schwebfliegen) und die Schmetterlinge. Die Honigbiene Apis mellifera ist die weitaus aktivste Art auf den Flächen, mit hochgerechnet 120 Sichtungen pro Stunde und Quadratmeter über alle sieben Flächen ist die Aktivität mehr als doppelt so hoch wie die der zweit-fleißigsten Gruppe, den Schwebfliegen. Die solitär-lebenden Wildbienen sind nicht sehr prominent vertreten.

Sehr große Unterschiede sind zwischen den Flächen zu sehen, die Aktivität unter sehr gut vergleichbaren Witterungsbedingungen in einem kleinen Zeitfenster kann um dem Faktor 5 schwanken.

Die Torte zeigt das Bild über alle Flächen: Mit großem Abstand sind die Honigbienen die aktivste, die dominante Gruppe. Das freut bestimmt alle Imker, die ihre Völker in der Nähe der Blütenparadies-Flächen platziert haben. Honigbienen sammeln meist im Umkreis von einem Kilometer um ihren Stock, wenn das Angebot stimmt. Wir bitten alle Imker mit Rekorderträgen in diesem Jahr um großzügige Unterstützung!

Auch die Hummeln der Gattung Bombus, die eng verwandt mit der Honigbiene Staaten bilden, war sehr häufig anzutreffen. Die Dunkle Erdhummel kam auf fast allen Flächen vor; eine Art die auch kommerziell gezüchtet und als Bestäuber im Gemüsebau eingesetzt wird.

 

Welche Schlussfolgerungen ziehen wir aus den ersten Beobachtungen der Insekten auf unseren Blütenparadies-Flächen?

Es ist offensichtlich, wie es brummt und summt. Man muss nur bei warmem Wetter oder frühmorgens an einem Blütenparadies vorbeiflanieren und hört die Insekten und riecht die Pflanzen. Die Flächen bieten ein reichhaltiges Nahrungsangebot für viele verschiedene Gruppen der Blütenbesucher und werden auch von anderen Insekten als Refugium angenommen. Wir sind überzeigt, dass unsere Zusammenstellung von Pflanzen vielen Arten zugutekommt und den Fortpflanzungserfolg vor allem der staatenbildenden Bienen und Hummeln verbessert.

Allerdings möchten wir in Zukunft mehr solitär lebende Wildbienen sehen und werden im nächsten Jahr noch vielfältigere, standorttypische Pflanzenarten in die Blühmischung integrieren.

Kommentare

25.09.2019 19:30 Christa Go
Ich bin wirklich angetan von dieser Initiative. Mit den Bauern habe ich insofern zu tun, als dass ich ihre Erträge genieße. Aber es ist ein sehr guter Entscheid, ihnen das Saatgut gratis zu liefern und auch unterstützend und beratend zur Verfügung zu stehen. Hoffentlich keine Eintagsfliege, denn ´"es ist 13 Minuten nach 12!"
03.10.2019 19:17 Björn Scholz-Starke
Oh, der erste Kommentar im Blog und ich habe ihn prompt übersehen. Wir hoffen, dass die Initiative weiterleben kann! Das geht nur, wenn das allgemeine Interesse, ausgedrückt in Spendenbereitschaft groß genug ist. Also: Bitte Weitersagen!

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